Autor: Susanna König

Eine neue Hecke gibt Hoffnung

Eine neue Hecke gibt Hoffnung

Wildhecke pflanzen! Was gibt es Besseres an einem schönen Frühlingstag, als einen Unterschlupf für Igel und Wiesel, einen sicheren Nistplatz für Vögel, Nahrungsquellen für Insekten und viele mehr zu schaffen?


Als wir sechs Mitglieder und drei Gäste auf Velos samt Anhänger, bepackt mit Schaufeln, Hacken, Säge, Baumschere beim Acker im Ängerich an der Urtene eintreffen, ist schon einiges für unseren Einsatz vorbereitet. Zusammen mit dem Landwirt wurde am Vorabend der Streifen für die 3 m breite Hecke entlang dem Feldweg abgesteckt. Dank zwei 10 m breiten Lücken kann der beidseitige 3 m breite Wiesensaum später effizient maschinell gemäht werden. Riesige Asthaufen, mit denen ein Gärtner seinen Baumschnitt auf dem Gelände „entsorgt“ hatte, stehen ebenso bereit wie eine grosse Tonne, die wir kübelweise mit Bachwasser gefüllt hatten.

Fragende Gesichter: Aus diesen kleinen Zweigen soll eine gut 100 m lange Hecke entstehen? Aber es sind tatsächlich 250 Sträucher, dazu – schon etwas grösser – zehn Niederstammobstbäume und drei Linden. Eine Vielfalt an Pflanzen, fünfundzwanzig Sorten, davon allein fünf verschiedene Wildrosenarten. Wir machen uns an die Arbeit: Loch schaufeln, beschnittene Sträuchersetzlinge auf der richtigen Höhe platzieren, Erde drüber, tüchtig festtreten und giessen. Dazwischen errichten wir vier Asthaufen.
In etwa zehn Jahre wird die ausgewachsene Hecke ein schönes Struktur- und Vernetzungselement in der Landschaft bilden.

Irgendwann haben alle Hunger und Durst und beim Zvieri wird informiert und ausgetauscht. Über kahle Landschaften, verschwundene Vögel, Förderbeiträge zur Artenvielfalt, unser Konsumverhalten und gesellschaftliche Zwänge. Und alle sind wir begeistert über die Zusammenarbeit mit dem Landwirt, seine Offenheit und Bereitschaft, von der üblichen Bewirtschaftung abzuweichen und sie mit Neuem zu kombinieren.

Am Liebsten möchten wir jedes Jahr eine neue Wildhecke pflanzen! Wo entsteht die nächste?

Unterwegs für die Natur – die Filmemacherin im Interview

Unterwegs für die Natur – die Filmemacherin im Interview

Über ein Jahr hinweg hat die Berner Filmemacherin Marlen Schmid die Aktivitäten des Forum Jegenstorf begleitet und dokumentiert. Der Film zeigt, wie sich Menschen gemeinsam gegen die Zerstörung der Natur und für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einsetzen.


Um was geht es im Film „Unterwegs für die Natur“?
Marlen Schmid: Es ist ein Porträt über das Forum Jegenstorf. Die Zuschauer:innen können ein Jahr erleben vom Winter bis in den Herbst und die Mitglieder vom Forum Jegenstorf auf ihren vielfältigen Natureinsätzen begleiten: Hecken pflanzen, Tümpel bauen, Abfall sammeln, Rehkitze und Amphibien retten usw. Der Film zeigt, was es für Möglichkeiten gibt, sich in einer Gemeinde für die Natur zu engagieren und was die Zusammenarbeit von Menschen bewirken kann.

Wieso wolltest du für das Forum Jegenstorf filmen?
Weil ich wichtig finde, was ihr tut und dies den Leuten zu zeigen. Ich mache mir viele Gedanken darüber, was ich beitragen kann, damit es in eine gute Richtung geht. Umweltthemen, Mitwelt und Nachhaltigkeit liegen mir am Herzen. Idealerweise kann der Film anstecken, bei euch oder in einer ähnlichen Organisation mitzumachen. Und auch zu sehen, wie man im Kleinen anfangen kann – einfach mal Zigarettenstummel einsammeln.

Wie ist es für dich, in der Natur zu filmen?
Ich bin mehr dem Wetter und den Umständen ausgesetzt als drinnen. Die Kamera sollte nicht nass werden. Wenn es windet, versteht man den Ton nicht mehr. Aber in der Natur ist es auch sehr inspirierend. Beim Dokumentarfilm ist es für mich spannend, offen zu sein und zu schauen, was schon da ist und mit der Kamera darauf zu reagieren. Der Zufall spielt eine grosse Rolle. Ihr trägt z. B. die Kleider, die ihr halt trägt oder das Wetter ist so, wie es eben ist.

Was ist dein Schwerpunkt als Filmemacherin?
Im Filmstudium habe ich den Fokus Kamera gewählt. Jetzt mache ich meistens Schnitt. Beim Filme-Schneiden arbeite ich oft mit meiner Intuition, das gefällt mir. Der Nachteil ist, dass ich viel Zeit vor dem Computer verbringe, deshalb ist es toll, wenn ich auch ab und zu rausgehen und z. B. für das Forum filmen kann. Ich glaube, dass es bei guten Filmen nicht auf die beste Technik ankommt, sondern darum geht eine Geschichte zu erzählen, die bewegt. So macht es für mich auch Sinn, statt dass alle Filmemacher:innen ihr eigenes Equipment anschaffen, mit unseren Ressourcen sparsam umzugehen und die Kamera zu teilen.

Was kann das Medium Film zu den Anliegen des Forum Jegenstorf beitragen?
Das Medium Film ist zugänglich. Ein Film hat mehrere Ebenen, Bild und Ton, so kann er mit verschiedenen Sinnen aufgenommen werden, mit den Augen, den Ohren. Mit der Kameraarbeit – wo schaut man hin, wie schaut man auf etwas – zeigt man immer eine Haltung. Ich denke, Menschen, Tiere, Pflanzen zu beobachten, löst etwas aus. Das ist meine Hoffnung.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Forum Jegenstorf?
Ich fand die Zusammenarbeit mit euch mega toll. Du hast dir ja rollend überlegt, was für den Film wichtig ist und wen wir noch für ein Interview anfragen könnten oder welche Einsätze spannend sind. Ich war auch sehr frei und fand es schön, wie mich die Leute filmen liessen und mir vertrauten. Ich weiss, dass es unangenehm sein kann gefilmt zu werden. Und es ist beeindruckend, wieviel Wissen in all den Mitgliedern der Forums steckt.

Ist etwas Besonderes passiert während den Filmarbeiten?
Beim Auslichten im Silberewald ist ein Bäumchen auf mich gefallen. Ich habe durch die Kamera geschaut und zu spät gemerkt, das kippt ja genau auf mich. (Sie lacht.) Und dann war auch ein berührender Moment, als wir die Rehkitzrettung filmten. Bei den Fröschen ist es ähnlich, die sind schutzlos wenn ein Auto kommt. Diese Begegnungen mit den Tieren, aber auch mit euch, die Mitglieder vom Verein kennenzulernen und immer wieder bei euren Einsätzen dabei zu sein, das war eigentlich für mich fast das Schönste.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich möchte gerne bei grossen Dokumentarfilmproduktionen mitarbeiten. Geschichten erzählen, die ich relevant finde. Es gibt einen Überfluss an Bildern im Internet und mit den Handys, mit denen wir jederzeit alles filmen können. Da finde ich es wichtig, dass eine Geschichte etwas Neues beitragen kann, dass sie jenen eine Stimme gibt, die sonst weniger gehört werden oder keine Stimme haben – wie z. B. auch die Tiere und Pflanzen, die Natur. Genau – das ist eigentlich, was mich interessiert.

Die Fragen stellte Susanna König.
Das Interview erschien auch in Der Jegenstorfer 3/2024 (S.40-41)


Unterwegs für die Natur – Ein Blick auf das Forum Jegenstorf
Kamera und Schnitt: Marlen Schmid
2024, 20 Min., Dialekt mit deutschen Untertiteln
Film anschauen
– Website von Marlen Schmid: https://www.marlenschmid.ch/

Der Tag der Biodiversität – entdecken, lernen, mitmachen und geniessen

Der Tag der Biodiversität – entdecken, lernen, mitmachen und geniessen

Sonne? Wind? Regen? Die Natur braucht sie alle. Aber am 29. April, für unseren Tag der Biodiversität im Schlosspark, doch bitte, bitte lieber Sonne…. Als wir am Morgen früh die Zelte aufstellten, war der Himmel grau und dann, pünktlich mit dem Eintreffen der ersten Besuchenden – Sonne!


Die Biodiversität ist uns ein grosses Anliegen, denn sie ist in einem schlechten Zustand und nimmt weiter ab. Die Hälfte aller einheimischen Tier- und Pflanzenarten und die Hälfte der Lebensraumtypen der Schweiz sind gefährdet. Warum brauchen wir die Biodiversität? Und was können wir alle gegen den zunehmenden Verlust tun? Um Antworten zu finden, luden wir kompetente Fachleute ein.

Tiere, Pflanzen, Licht und Schoggieili
Im noch winterkühlen Schlosssaal hörten wir in zwei Vorträgen viel Erstaunliches über die Fledermäuse, die auch im Schlossturm leben. Diese gefährdeten Säugetiere sind in der Nacht mit ihren Fingerflügeln so flink unterwegs, dass wir ihre Anwesenheit nur über die Ultraschallwellen, die der Batdetektor einfängt, feststellen können.

In einem Dunkelzelt zeigte ein Modell, wie eine Aussenbeleuchtung so eingesetzt werden kann, dass sie Tieren, Pflanzen und Menschen möglichst wenig schadet. Und es gab einen wunderschönen Sternenhimmel zu sehen, wie er in der Schweiz wegen der zunehmenden Lichtverschmutzung nicht mehr erlebt werden kann.

Lebendige Tiere waren am Stand der Amphibien und Reptilien zu beobachten: ein Bergmolch, der sich häutete, eine Gelbbauchunke, die hin und wieder ihren leuchtenden Bauch zeigte, eine Kreuzkröte, die sich aus dem Versteck wagte. Dazu gab es Informationen und Beratung, wie diese bedrohte Tierart rund ums Haus gefördert werden kann.

Auf Insektenpirsch durch den sonnigen Schlosspark erfuhr eine grosse Gruppe, dass vor allem die vielen verschiedenen Arten von Wildbienen eine Bestäubung der Pflanzen und damit das Gedeihen der Vegetation gewährleisten.

Gelegenheit zum tatkräftigen Mitmachen gab es auch sonst: sei es bei der Umwandlung von Rasen in eine Blumenwiese zusammen mit spezialisierten Landschaftsgärtnern, die dazu kompetente Beratung boten. Sei es beim Quiz zum Tier des Jahres, der Blauflügeligen Ödlandschrecke, oder beim Bohren und Impfen von Holzrugeln mit Pilzsubstrat – daheim im Garten wird das vom Pilz zersetzte Holz zum Biotop für bedrohte Käfer werden.

Besucher:innen kauften einheimische Wildpflanzen, die auf dem Balkon allerlei Insekten Lebensraum bieten können, oder setzten sich zum Trinken und Essen in die Orangerie. Und Kinder entdeckten Schoggieili im Vogelnistkasten, indem sie lernten, ihn ab- und aufzuhängen, so wie es für die Betreuung der Nistkästen nötig ist.

Neophyten, Zigis und Bodengeräusche
Das Forum Jegenstorf zeigte an seinem Stand, was achtlos weggeworfener Abfall und besonders Zigarettenstummel in der Umwelt, im Grundwasser, bei Tieren und spielenden Kleinkindern anrichten können. Dazu gab es zahlreiche Informationen zu invasiven Neophyten, die in unseren Gärten die einheimischen Pflanzen verdrängen und damit auch Tieren Nahrung und Lebensraum wegnehmen.

Sounding Soil stellte uns das Bodenmikrofon zur Verfügung, das in der Ökoakustik zur Erforschung des Bodens dient. Bei Gross und Klein gab es überraschte Gesichter, wenn sie über die Kopfhörer Geräusche hörten, welche unzählige Bodenlebewesen durch Bewegen, Fressen und Kommunizieren erzeugen. Einige Besuchende meinten sogar, ein Schnarchen zu hören… Durch Hörproben an verschiedenen Orten wird auch klar: Je mehr Geräusche, umso mehr Lebewesen, umso gesünder der Boden.

Wir alle können vieles tun
Der Markt am Tag der Biodiversität zeigte eindringlich, wie notwendig es ist, den Boden, die Luft, das Wasser, die Pflanzen, die Lebewesen und damit die Lebensgrundlage auch von uns Menschen zu schützen und zu fördern. Einheimische Pflanzen vorziehen; Spritzmittel und Beleuchtung im Aussenraum vermeiden; nachhaltige und biologische Produkte kaufen; Zigis im Aschenbecher entsorgen; den öffentlichen Verkehr benutzen; wiederverwenden, tauschen und flicken, statt neu kaufen; und vieles mehr. (Siehe auch die Themenseite Artenvielfalt auf www.forumjegenstorf.ch.)

Wir danken Pro Natura, dem Tierpark Dählhölzli, DarkSky Switzerland, dem Fledermausverein Bern, karch/info fauna, dem Ornithologischer Verein Jegenstorf, Flora di Berna und Kunz Gärten, die ihr Wissen und ihre Begeisterung für die faszinierende Natur mit uns geteilt haben. Ein besonderer Dank geht an die Verantwortlichen vom Schloss Jegenstorf für die gute Zusammenarbeit und ihren Einsatz zur Förderung der Biodiversität.

Der Tag ging plötzlich ganz schnell zu Ende, als beim Zusammenräumen ein Regenschauer in den Schlosshof niederprasselte und nach der wärmenden Sonne das willkommene Nass brachte.

Das Programm mit der Beschreibung aller Stände und teilnehmenden Organisationen finden Sie hier, eine Vorschau zum Anlass in D’Region hier.