Nur etwas Papier und einige Kräutchen… Clean-Up-Day in Jegenstorf

Nur etwas Papier und einige Kräutchen… Clean-Up-Day in Jegenstorf

Zum ersten Mal beteiligte sich das Forum Jegenstorf am 12. September 2020 zusammen mit ca. 25’000 anderen Personen an einer der 450 Aufräumaktionen des Clean-Up-Day Schweiz.


Nachdem wir im Frühjahr bei unseren Einsätzen für die Amphibienrettung im Wald bereits unsere eigene kleine Putzaktion zur Sensibilisierung der AutofahrerInnen durchgeführt hatten (Link Abfall tafel), gingen wir am Samstagvormittag direkt ins Zentrum von Jegenstorf um auf das Littering-Problem aufmerksam zu machen.

Von den Mitarbeitern der Gemeindebetriebe wussten wir, dass das Dorfzentrum oft gereinigt wird. Auf den ersten Blick sah es denn auch aus, wie wenn es da nichts zu tun gäbe. Auf dem Platz beim Kirchgemeindehaus eine aufgeplatzte Verpackung Plastikröhrchen, bunt verstreut – es sah schon fast aus wie Kunst am Bau. Auf dem Weg zum Zentrumsplatz und entlang der Bernstrasse hier und da weitere Convenience-Food-Verpackungen mit den dazu passenden Pet-Getränkeflaschen.

Aber wie bereits vermutet: Den weitaus grösste Anteil am weggeworfenen Abfall machten Zigarettenstummel aus. Wo Autos parkiert sind, Zigarettenstummel, wo Bänke stehen, das Gras übersät mit Zigarettenstummeln, im Rinnstein entlang der Strassen, Zigarettenstummel. Und wer denkt, wie wir dachten, „etwas Papier und einige Kräutchen – kein Problem“, hat sich getäuscht.

Die Zahl der weltweit pro Jahr weggeworfenen Zigarettenstummel wird auf 4,5 Billionen geschätzt. Dies, obwohl die WHO
Zigarettenstummel 2017 zum Sondermüll erklärt hat.
Der Zigarettenfilter besteht aus Celluloseacetat, einem schwer abbaubaren Kunststoff. Er reduziert das Wachstum von Gras und zersetzt sich erst nach langer Zeit in der Natur. Im Süsswasser wird von 15 Jahren ausgegangen und im Salzwasser sogar von 400 Jahren.
Zigarettenstummel enthalten bis zu 7000 Gifte: Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd. Und natürlich das Nervengift Nikotin. Aus den Filtern ausgewaschen landet es letztendlich in Seen, in Flüssen, im Meer. Die Auswirkungen auf Wasserlebewesen reichen von Genveränderungen und Verhaltensänderungen bis hin zum Tod.
Beispielsweise ist für Fische eine Zigarette pro Liter Wasser tödlich. In den Fischen können sich manche Gifte ansammeln und kommen so unsere Nahrungskette.
Zigarettenstummel sind auch für Kinder eine Gefahr. Nikotin ist nach Medikamenten die häufigste Ursache einer Vergiftung im Kleinkinderalter.


Zurück nach Jegenstorf. Mit Leuchtwesten und Handschuhen waren wir ausgerüstet und die Wegmeister hatten uns freundlicherweise Kessel, Säcke und auch Greifzangen zur Verfügung gestellt. Doch an manchen Orten kamen die nicht an die kleinen Stummel heran und es hiess sich bücken, bücken, bücken. So waren wir zu dritt auf einer kurzen Strecke schlussendlich doch dreieinhalb Stunden unterwegs.

Ein freundlicher Fussgänger sagte aufmunternd: „So wird es sauber.“
Sauber fürs Auge ist das eine, doch was Abfall für verheerende Auswirkungen in der Natur hat, seien es Zigarettenstummel in Jegenstorf oder Plastik am Strand von Rimini, ist das andere.

Richtig entsorgen, recyclieren, ja – aber vor allem Abfall vermeiden!
Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!

PS: Das Bundesamt für Umwelt BAFU, das die Sensibilisierungskampagne Clean-Up-Day zusammen mit dem Schweizerischen Verband Kommunale Infrastruktur und der Stiftung Pusch unterstützt, beziffert die Kosten des Litterings in der Schweiz auf ca. 200 Mio Franken pro Jahr.
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