Standaktion Igelhäuser
Das war ein guter Tag, als wir Ende Oktober an einem kalten Samstagmorgen unsere erste Standaktion auf dem Platz vor dem Coop durchführten |
Das war ein guter Tag, als wir Ende Oktober an einem kalten Samstagmorgen unsere erste Standaktion auf dem Platz vor dem Coop durchführten – dies in Zusammenarbeit mit der «Stiftung Wildstation Landshut». Ziel war es, auf die im Spätherbst besonders prekäre Situation des Igels aufmerksam zu machen. Die Stationsleiterin der Wildstation, Iris Baumgartner, unterstützte uns, indem sie die Fragen der StandbesucherInnen beantwortete und wichtige Hinweise zur Unterstützung der Igel gab. Zur Anschauung hatte sie ein noch untergewichtiges Jungtier mitgebracht – ein Patient der Wildstation, der nicht nur für Kinder zum Anziehungspunkt wurde. Interessierte erhielten auf Wunsch weiteres Informationsmaterial des Vereins «pro Igel».
Um das oft fehlende Angebot an Unterschlupfmöglichkeiten in
unseren Gärten erweitern zu können, bot das Forum spezielle Igelhäuser
zum Verkauf an. Urs Tröhler aus Urtenen stellt diese mit Sorgfalt her
und verwendet dafür unbehandeltes Tannenholz aus der Region. An diesem
Morgen fanden alle sechs Igelhäuser einen neuen Besitzer, eine neue
Besitzerin … sogar die zwei letzten noch vorrätigen Exemplare von U.
Tröhler wurden verkauft. Ob die schmucken Häuser bereits alle bewohnt
sind, wissen wir nicht. Vielleicht braucht es den nächsten Sommer, damit
die Igel den Rückzugsort zuerst richtig erkunden und sich einnisten
können.
Marianne König und Kathrin Müller (Forum Jegenstorf)
Der folgende Text wurde von der Biologin Sandra Sacher von der Wildstation Landshut für uns verfasst.
Biologie des Europäischen Braunbrustigels (Erinaceus europaeus)
Igel sind Säugetiere und zählen zur Ordnung der Insektenfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen Asseln, Tausendfüssler, Spinnen, Käfer und Ohrwürmer, aber auch Regenwürmer und Schnecken verschmähen die nachtaktiven Tiere nicht. Ihre Beute spüren sie mithilfe ihres sehr gut ausgebildeten Geruchsinns und mit ihrem exzellenten Gehör auf, das sogar Töne im Ultraschallbereich wahrnimmt. Normalerweise sind Igel Einzelgänger. Im Frühjahr zur Paarungszeit sind die Männchen allerdings ruhelos unterwegs auf der Suche nach einem Weibchen. Nach einer Tragzeit von etwa 35 Tagen werden 3 bis 8 – anfangs noch blinde und taube – Jungtiere geboren. Junge Igel werden etwa 6 Wochen lang gesäugt, verlassen aber schon mit ca. 3,5 Wochen zum ersten Mal das Nest und versuchen erste Beutetiere zu fangen. Bald sind sie ganz auf sich alleine gestellt und müssen sich bis zum Einbruch des Winters genügend Fettreserven anfressen. Während des 5 bis 6 Monate dauernden Winterschlafes werden Körpertemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz drastisch abgesenkt um Energie zu sparen. Ausgelöst wird der Winterschlaf vor allem dadurch, dass die Igel in der kalten Jahreszeit keine Nahrung mehr finden, aber auch die abnehmende Tageslänge, sinkende Temperaturen und hormonelle Einflüsse spielen eine Rolle.
Erwachen im Frühling:
Männliche und weibliche Igel erwachen im Frühling nicht gleichzeitig. Die Männchen verlassen einen Monat früher als die weiblichen Tiere – zwischen Ende Februar und Ende März – ihr Schlafnest, um sich noch etwas Kraft anzufressen, bevor die anstrengende Suche nach paarungsbereiten Weibchen beginnt. Nach dem Winterschlaf haben die Igel 20 bis 40 Prozent an Gewicht verloren. Dennoch benötigen gesunde Igel im Frühling grundsätzlich keine besondere Hilfe, da die Insektenfresser als Wildtiere sehr gut an ihren Lebensraum angepasst sind und sich schnell wieder ein genügendes Gewicht anfressen. Nur, wenn ein Igel stark untergewichtig ist (zu erkennen am stark eingefallenen Beckenbereich und hervorstehender Wirbelsäule), Krankheits- oder Schwächezeichen, wie Husten oder Röcheln zeigt oder längere Zeit ohne sich einzukugeln auf der Seite liegt sollte man eingreifen und sich an eine Fachstelle wenden, die den Igel adäquat versorgen und ggf. medizinisch behandeln kann. Das gleiche gilt natürlich auch für verletzt aufgefundene Igel oder verwaiste, noch säugende Jungtiere.
Die Stiftung Wildstation Landshut:
Jährlich werden etwa 1800 kranke, verletzte oder verwaiste einheimische Wildtiere in der Stiftung Wildstation Landshut in Utzenstorf, BE betreut, mit dem Ziel sie nach erfolgreicher Genesung oder Aufzucht wieder in einen natürlichen Lebensraum zu entlassen. Neben der Wildtierrehabilitation engagiert sich die spendenfinanzierte Stiftung stark in der Umweltbildung. Das engagierte Fachpersonal der Stiftung Wildstation informiert, sensibilisiert und berät zum Umgang mit einheimischen Tieren, deren Lebensraum sowie zu Naturschutzthemen. Unter den etwa 110 Arten, die in der Wildstation jedes Jahr betreut werden, ist der Igel die Art mit der grössten Anzahl an Individuen. Igel sind als sogenannte Kulturfolger oft im Siedlungsgebiet anzutreffen. Dort lauern aber auch Gefahren wie der Strassenverkehr, Gifte, herumliegende Netze oder Fadenmäher. Igel, die hierdurch oder anderweitig zu Schaden kommen, werden in der Stiftung Wildstation medizinisch behandelt, artgerecht untergebracht und gepflegt. Auch viele durch Krankheiten oder Parasiten geschwächte Tiere sowie verwaiste Jungigel werden hier fachgerecht versorgt. Im Jahr 2016 wurden insgesamt über 800 hilfebedürftige Igel in die Wildstation Landshut gebracht.
Fotos:
Igel: Stiftung Wildstation Landshut
Igelhäuser: Forum Jegenstorf