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Clean-Up-Day in Jegenstorf

Clean-Up-Day in Jegenstorf

Zum neunten Mal ist die Schweiz beim World Clean-Up-Day dabei, zum zweiten Mal ganz offiziell auch Jegenstorf.


Die Vorbereitung
Letztes Jahr kam es im allgemeinen Durcheinander mit immerhin drei Personen doch noch zustande. Wir hatten uns aber vorgenommen, es dieses Jahr besser zu koordinieren, früher zu informieren und breiter zu streuen (ausser natürlich den Müll selbst). In der September Ausgabe des Jegenstorfer veröffentlichten wir vom Forum eine Anzeige und haben zusätzlich am Stand vom 11. September beim Coop Flyer verteilt und im Gespräch mit Interessierten ganz klar eine erhöhte Wahrnehmung festgestellt.

Der Kontakt zum Werkhof
Auf Anfrage bei Herrn Sven Zink von der Bauverwaltung und Herrn Thomas Wälchli, Leiter Werkhof, bekamen wir die Erlaubnis, das Gesammelte gratis am gleichen Samstag beim Werkhof abzugeben und erhielten zwei Rollen 110L-Abfallsäcke, gespendet vom Werkhof, und drei Abfallklemmen zur Ausleihe. Kessel, Wägeli und Handschuhe brachte die Teilnehmenden selbst mit. Der Zweck der Petflasche und des wasserfesten Filzstifts war vielleicht ein Mysterium, war dann aber schnell erklärt. Herrn Wälchli haben wir um Hotspots gebeten und diese dann nach Wunsch und Mobilität in der Gruppe aufgeteilt.

Die Zigarettenstummel in der Petflasche
Um 9 Uhr am 18. September war es dann endlich soweit! 14 Leute, von Jung bis Alt, davon fünf Nichtmitglieder des Forum Jegenstorf, waren bereit, mit Leuchtwesten und Kübel ein Zeichen zu setzten, zu sammeln und im Verlauf auch auf Fragen der Bevölkerung einzugehen. Nach einer kurzen Einführung war dann auch der Zweck der Petflaschen geklärt: Zigarettenstummel. Allgegenwärtig, klein aber katastrophal (40 l Grundwasser verseucht ein Stummel mit seinen Giftstoffen, 40 l…. gemäss Artikel auf focus.de) Die Petflaschen brauchten wir, um die Stummel separat zu sammeln und dabei zu zählen und die Ziffer dann gut lesbar auf der Flasche festzuhalten. So einfach geht das, so klar ist es dann auch. 

Die «Truppe» in den Startlöchern…

Die Hotspots
Gewünschte Hotspots von Herrn Wälchli waren: Iffwil- und Zuzwilstrasse, Ballmoosstrasse bis Ausgang Wald, Bern- und Solothurnstrasse, das Areal um das Gyrisbergschulhaus bis Holzmühlestrasse, Vita Parcours, Neuholzweg bis Ende Wald via den Bauernhof von Familie Jost. Dazu kamen Hotspots, die die Teilnehmer selbst wahrgenommen hatten.

Der Abfall, der Abfall…
Nach 3 Stunden war klar: es hat Plastik, sehr viel Plastik von kleinsten Einzelverpackung bis zu Petflaschen und Sandwichbehältern, Fast Food scheint zum «aus den Augen aus dem Sinn-Brauchtum» anzuregen. Was aber ganz krass auffiel waren die Zigarettenstummel: sage und schreibe 4313 Stück kamen zusammen, will heissen dass damit 172’520 Liter Wasser kontaminiert wurden respektive dies teils verhindert wurde. Ganz klar wurde auch, dass viel Abfall bei Geschäften deponiert wird, sei es beim Warten in der Schlange oder beim Auto und dann auf dem Weg zur Arbeit von und zum Bahnhof. Sitzbänke scheinen ebenfalls ein kunterbuntes Abfallmagnet zu sein und dabei möchte Mensch doch verweilen, sich etwas ausruhen oder rege sozialen Kontakt geniessen. Es ist ja nicht so dass es dort keine Abfallkübel gibt. Nun könnte man sagen dass die betroffenen Geschäfte den Abfall auf ihrem Grundstück selbst aufräumen könnten (was sie bereits tun), die Wegmeister ja dazu angestellt sind und wir dafür ja auch zahlen ( das alles stimmt ) und wir unsere Abfallsäcke nicht nur auch bezahlen sondern dann auch noch möglichst Abfalltrennung tätigen sollen. All dies stimmt,  hängt ja auch mit unserem Verbrauch und Konsum zusammen. Wir wollen die Freiheit, selbst zu bestimmen und kaufen was wir wollen, uns verhalten wie es uns beliebt (mehr oder weniger jedenfalls), Verzicht ist für hypergrüne, emotionell-puristisch-sensibel eingestellte Individiuen. Mag sein. Tatsache ist aber dass wohl niemand seinen durch den Tag «verlorenen» Abfall am Abend im eigenen Bett wiederfinden möchte, sensibel hin oder her. Es gibt tausende Gespräche zum Thema Littering (zu Deutsch: Vermüllung), wer und wieso, wann und warum, alt oder jung oder nur jung? Ansässige oder Durchreisende, mit oder ohne Schweizerpass (in unserem Fall), gebildet oder eben nicht (was auch immer das heissen mag), Arbeiter oder Akademiker oder einfach nur die Blinden und Dummen? Eigentlich spielt all dies gar keine Rolle, führt auch nirgendwo hin weil es nur Annahmen und Projektionen sind. Selbtsvermüllung findet statt wenn wir uns vermeintlicherweise absondern, wir die einfachsten Zusammenhänge unseres Verhaltens ignorieren und munter weiter machen wie bisher. Können wir, kann man, ganz klar. Wir haben diese Freiheit. Mit Freiheit kommt aber auch Verantwortung übernehmen für das was wir in unsere Entscheidungsfreiheit für uns ganz persönlich in Anspruch nehmen oder genommen haben. Aber der Clean-Up Day hat zum Denken angeregt, einen Teil der gefühlten HIlflosigkeit beruhigt (weil nicht mehr so allein mit der Wahrnehmung) und physisch einen positiven Eindruck hinterlassen. Es ist nicht ein Marathon sondern ein Gegenstrom, eine sogenannte Grassroots-Bewegung, von unten nach oben und nicht ein Warten auf ein Zeichen von oben nach unten. und das fühlt sich schon sehr gut an!

Das Ergebnis in Reih und Glied…

Wir freuen uns auf den nächsten Einsatz und im Frühling 2022 auf den ersten Vormarsch gegen invasive Neophyten.

Der Dank
Herzlichen Dank Herrn Sven Zink von der Bauverwaltung Gemeinde Jegenstorf und Herrn Thomas Wälchli und seiner Truppe Wegmeister der Gemeinde Jegenstorf für die Zusammenarbeit und Mithilfe zum Gelingen des ersten grösseren Clean-Up Days in unserer Gemeinde!

Ankündigung der Aktion in Der Jegenstorfer 2021/3

Nur etwas Papier und einige Kräutchen… Clean-Up-Day in Jegenstorf

Nur etwas Papier und einige Kräutchen… Clean-Up-Day in Jegenstorf

Zum ersten Mal beteiligte sich das Forum Jegenstorf am 12. September 2020 zusammen mit ca. 25’000 anderen Personen an einer der 450 Aufräumaktionen des Clean-Up-Day Schweiz.


Nachdem wir im Frühjahr bei unseren Einsätzen für die Amphibienrettung im Wald bereits unsere eigene kleine Putzaktion zur Sensibilisierung der AutofahrerInnen durchgeführt hatten (Link Abfall tafel), gingen wir am Samstagvormittag direkt ins Zentrum von Jegenstorf um auf das Littering-Problem aufmerksam zu machen.

Von den Mitarbeitern der Gemeindebetriebe wussten wir, dass das Dorfzentrum oft gereinigt wird. Auf den ersten Blick sah es denn auch aus, wie wenn es da nichts zu tun gäbe. Auf dem Platz beim Kirchgemeindehaus eine aufgeplatzte Verpackung Plastikröhrchen, bunt verstreut – es sah schon fast aus wie Kunst am Bau. Auf dem Weg zum Zentrumsplatz und entlang der Bernstrasse hier und da weitere Convenience-Food-Verpackungen mit den dazu passenden Pet-Getränkeflaschen.

Aber wie bereits vermutet: Den weitaus grösste Anteil am weggeworfenen Abfall machten Zigarettenstummel aus. Wo Autos parkiert sind, Zigarettenstummel, wo Bänke stehen, das Gras übersät mit Zigarettenstummeln, im Rinnstein entlang der Strassen, Zigarettenstummel. Und wer denkt, wie wir dachten, „etwas Papier und einige Kräutchen – kein Problem“, hat sich getäuscht.

Die Zahl der weltweit pro Jahr weggeworfenen Zigarettenstummel wird auf 4,5 Billionen geschätzt. Dies, obwohl die WHO
Zigarettenstummel 2017 zum Sondermüll erklärt hat.
Der Zigarettenfilter besteht aus Celluloseacetat, einem schwer abbaubaren Kunststoff. Er reduziert das Wachstum von Gras und zersetzt sich erst nach langer Zeit in der Natur. Im Süsswasser wird von 15 Jahren ausgegangen und im Salzwasser sogar von 400 Jahren.
Zigarettenstummel enthalten bis zu 7000 Gifte: Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd. Und natürlich das Nervengift Nikotin. Aus den Filtern ausgewaschen landet es letztendlich in Seen, in Flüssen, im Meer. Die Auswirkungen auf Wasserlebewesen reichen von Genveränderungen und Verhaltensänderungen bis hin zum Tod.
Beispielsweise ist für Fische eine Zigarette pro Liter Wasser tödlich. In den Fischen können sich manche Gifte ansammeln und kommen so unsere Nahrungskette.
Zigarettenstummel sind auch für Kinder eine Gefahr. Nikotin ist nach Medikamenten die häufigste Ursache einer Vergiftung im Kleinkinderalter.


Zurück nach Jegenstorf. Mit Leuchtwesten und Handschuhen waren wir ausgerüstet und die Wegmeister hatten uns freundlicherweise Kessel, Säcke und auch Greifzangen zur Verfügung gestellt. Doch an manchen Orten kamen die nicht an die kleinen Stummel heran und es hiess sich bücken, bücken, bücken. So waren wir zu dritt auf einer kurzen Strecke schlussendlich doch dreieinhalb Stunden unterwegs.

Ein freundlicher Fussgänger sagte aufmunternd: „So wird es sauber.“
Sauber fürs Auge ist das eine, doch was Abfall für verheerende Auswirkungen in der Natur hat, seien es Zigarettenstummel in Jegenstorf oder Plastik am Strand von Rimini, ist das andere.

Richtig entsorgen, recyclieren, ja – aber vor allem Abfall vermeiden!
Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!

PS: Das Bundesamt für Umwelt BAFU, das die Sensibilisierungskampagne Clean-Up-Day zusammen mit dem Schweizerischen Verband Kommunale Infrastruktur und der Stiftung Pusch unterstützt, beziffert die Kosten des Litterings in der Schweiz auf ca. 200 Mio Franken pro Jahr.