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Neue Wildhecke beim Schloss – Natur und Kultur

Neue Wildhecke beim Schloss – Natur und Kultur

Auf der grossen Weide unterhalb des Schlossparks entlang der Münchringenstrasse stand seit vielen Jahren eine geschnittene Hainbuchenhecke. Mit der Zeit hatte das Holz den Maschendrahtzaun überwachsen und war nicht mehr davon zu trennen.
Der Unterhalt wurde immer schwieriger und aufwendiger. Eine Lösung musste gesucht werden. Das Forum Jegenstorf erfuhr davon, hatte eine Idee und stiess beim Stiftungsrat des Schlosses auf offene Ohren. Dieses prägende Strukturelement sollte in ökologisch wertvollerer Form ersetzt werden.

Gemeinsam umsetzen
An einer Begehung mit Urs Gasche (Präsident Stiftungsrat Schloss Jegenstorf), Karen Wiedmer, (Stiftungsverwaltung), Sandra Lyoth (Gemeinderätin, Hochbau), Claudia Burri und Jörg Mülchi (Hochbauverwaltung), Hanspeter Junker (Pächter), Susanna König (Forum Jegenstorf ) zeigte Beat Haller (Forum Jegenstorf und Kommission Tiefbau und Betriebe Jegenstorf) Möglichkeiten auf, um die Situation zu verbessern. Varianten wurden besprochen und Entscheide getroffen.

Anstelle der schmalen geschnittenen Hecke aus nur einer Gehölzart, sollte neu eine vielfältige Hecke, 3 m breit, 100 m lang, mit einem beidseitigen Saumstreifen von je 3 m, als neuer Lebensraum für Vögel, Insekten, Kleintiere und Amphibien entstehen. Das Forum Jegenstorf bot an, das Pflanzen der Sträucher und die Pflegearbeiten in den ersten Jahren auszuführen, der Landwirt würde einen Teil seines Pachtlandes zur Verfügung stellen und die Saumgesellschaften auf beiden Seiten der Hecke pflegen. Die Stiftung Schoss Jegenstorf und die Gemeinde sollten die Pflanzung finanzieren.
Nach weiteren Abklärungen stimmten alle Beteiligten dem Projekt zu.

Das Forum Jegenstorf pflanzt
Am 21. November 2020 war es soweit. Ausgerüstet mit Gartenhandschuhen, Corona-Schutzmasken und allerlei Werkzeug versammelten sich zehn Mitglieder und zwei Kinder vom Forum Jegenstorf zusammen mit Hanspeter Junker (Pächter) und Urs Wüthrich (Stiftungsrat Schloss Jegenstorf) beim unteren Schlosstor und machten sich unter der Anleitung von Beat Haller an die Arbeit. Dieser hatte die Sträucher bereits vorbereitet und in der Länge und an den Wurzeln eingekürzt. Holzpflöcke dienten zum Markieren der Fläche für die Hecke. In drei Reihen im Abstand von 1.20 m wurden Löcher gegraben, die jungen Sträucher eingepflanzt, festgedrückt und mit Wasser vom Schlosspark angegossen. Unterdessen holten die zwei Jungs mit dem Anhänger im Schlosswäldli Äste und schichteten sie zwischen den Sträuchern zu Haufen, als Versteck für allerlei Kleintiere.
Zum anschliessenden Zvieri überraschte uns Sandra Lyoth mit einem grossen Pack Apfelmost und es gab Zeit für angeregte Gespräche.


Von der Heckenrose zum Porzellan
So kamen an diesem kalten, sonnigen Novembertag 240 Sträucher in den Boden, 24 verschiedene Arten, die gleichen Pflanzenarten jeweils meist beieinander: Wildbirne, Kreuzdorn, Schwarzdorn, Wildpflaume, Heckenrose, Berberitze und viele mehr (Pflanzliste). Darunter sind die Dornensträucher für Vögel besonders wertvoll, weil sie und ihre Gelege darin vor räuberischen Kleinsäugetieren und besonders auch vor Katzen geschützt sind.

Wildhecken sind als Unterschlupf, Nahrungsquelle und Verbindungsweg ein wichtiger Lebensraum für Wildtiere. Doch auch von den Menschen wurden sie, bevor es Draht- und Elektrozäune gab, vielfältig genutzt als Weidetrennung, Holz- und Nahrungslieferantinnen. So sind sie Teil der Natur und zugleich Teil unserer Kultur. Wie auch der gesamte Schlosspark ein Zusammenspiel von Kultur und Natur ist. Und wie im Schloss innen die Natur sich in der Kultur spiegelt, auf Gemälden und Tapisserien, in historischen Texten, mit Mustern auf Porzellan und auf Kleidern, in der Musik: Naturerbe und Kulturerbe.

Natur und Kultur – bewahren, pflegen und Neues fördern und wachsen lassen.
Herzlichen Dank allen, die sich dafür einsetzen!